EMIGRANT SONGS

In Emigrant Songs verweben vier Performer*innen Stimmen, Körper und Fäden zu einer gemeinsamen Landschaft. Während ein Tarnnetz langsam Gestalt annimmt, erklingen Volkslieder, inspiriert von der Region Polissja / Palesse, die sich überlagern und Fragmente von Zuhause über Grenzen hinweg tragen. Zwischen Weben und Singen erkunden sie kulturelle Tarnung und die stillen Aushandlungen der Migration – und fragen, wie eine Stimme präsent bleiben kann, während sie nach einem Ort sucht, zu dem sie gehören kann.

Tanz, Theater, Performance, Workshop, Tanz/Performance

DO 14.05.2026
19:00 — 20:45 Uhr

Gallus Theater, Kleyerstraße 15, 60326 Frankfurt

Diese Aufführung findet in einem offen gestalteten Raum statt. Das heißt, es gibt Stühle und Kissen zum Sitzen, die an unterschiedlichen Orten des Raums verteilt sind. Man kann sich aber auch jederzeit im Laufe des Stückes frei im Raum bewegen. Im Zentrum steht ein gemeinsames Tun: das Weben eines echten Tarnnetzes, das nach der Performance an ukrainische Verteidigungseinheiten weitergeleitet wird. Sie sind herzlich eingeladen, mitzuweben – oder einfach zuzusehen. Es gibt keine Verpflichtung. Gelegentlich werden sanfte Einladungen zum gemeinsamen Bewegen/Tanzen erklingen, immer mit der Möglichkeit, auf eigene Weise dabei zu sein. Ihre Anwesenheit – in welcher Form auch immer – ist herzlich willkommen.

Link zur Veranstaltung

Ticket

Vier Performer*innen posieren im Freien vor einer Backsteinwand und einem dunklen Holztor im hellen Sonnenlicht. Links steht eine Figur mit weit ausgebreiteten Armen, die eine gelbe Sonnenmaske mit flammenartigen Blütenblättern, ein cremefarbenes, fließendes Gewand und eine bestickte Folkloreweste trägt. In der Mitte sitzt eine Person lässig in weißem Hemd, einer Pelzmütze im Kosakenstil mit lockigem Haar, schwarzen Kniebundhosen, Stiefeln und einem rosafarbenen Gürtel mit bunten Bändern. Daneben steht eine Figur in einem weißen Spitzenkleid mit einem leuchtend grünen Schleier und einem Blumenkranz auf dem Kopf. Rechts kauert eine vierte Performerin in einem zotteligen, tierhaften Fellkostüm mit einer dunklen Maskenball-Maske. Auf dem Gras verteilt sind Requisiten: ein metallener Kamingitter und ein hölzerner Stuhlrahmen.

Informationen Barrierearmut

Rollstuhlgerechter Veranstaltungsraum? (Keine Stufen oder Schwellen höher als 5 cm, mind. 90 cm breite Türen, rollstuhlgerechte Toilette etc.)

Gibt es laute Geräusche?
Lautes Musik und Singen

Gibt es inhaltliche Hinweise im Voraus für das Publikum?

Weitere Informationen zur Zugänglichkeit
Sprachhinweis: Die Hauptsprachen der Performance sind Ukrainisch und Belarussisch. Dennoch bleibt das Werk durch die geteilte menschliche Erfahrung, durch Bewegung und Klang unmittelbar zugänglich. Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich, um eine Verbindung zu der Arbeit aufzubauen. Um Ihr Erlebnis zu unterstützen, wird eine Broschüre mit Übersetzungen der Liedertexte bereitgestellt.

Polissja / Palesse ist eine Grenzregion zwischen der Ukraine und Belarus, in der trotz imperialer Auslöschungsversuche, kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeiten bestehen, die Ukrainer*innen und Belarus*innen miteinander verbindet.

In Emigrant Songs sammeln vier Performer*innen Fragmente dieser Traditionen und verweben ihre Stimmen zu einem lebendigen, atmenden Archiv.  Im Zentrum des Stücks steht das Tarnnetz – ein Geflecht aus Stoff und Geschichten, aus (Un-)Sichtbarkeit und Schutz im andauernden Krieg. Auf der Bühne werden Fäden geknotet, Hände arbeiten rhythmisch, Stimmen erheben sich, Absätze beginnen zu stampfen. Wie sehr passt man sich an, um sicher zu sein? Kulturelle Camouflage wird zum Versuch, sich in neue soziale Gefüge einzufinden – die eigene Kontur weichzuzeichnen, Präsenz zu verschleiern, im Hintergrund zu verschwinden. Migration wird zu einem ständigen Tanz zwischen dem Wunsch, gehört zu werden, und der Notwendigkeit, mit der sozialen Landschaft zu verschmelzen.

Zwischen Weben und Singen, Verbergen und Offenbaren, folgen die Performer*innen fragilen Wegen, um sichtbar zu bleiben, während sie nach einem Ort suchen, woher sie stammen und an dem Ort, an dem ihre Stimmen Resonanz finden.

Initiiert von Nastya Dzyuban; entwickelt und aufgeführt: Nastya Dzyuban, Olen Mamai, Hanna Launikovich und Andrii Punko.

Kostüm: Delphina O. Hennig

Holzarbeiten und emotionale Unterstützung: Nice Kager

Vermittlung & Begleitung des Volksgesangs: Tetiana Illchenko, Dariia Bakalova und die Volksmusikgruppe Bozhedary

Folkloreforschung und -beratung: Andrii Punko

Sound design: Hanna Launikovich

Technische Unterstützung: Felix Schwarzrock

Ein großes, herzliches Dankeschön an: Bernhard Siebert, Frédéric de Carlo, René Alejandro Huari Mateus, Barbara Krzoska, Chiara Marcassa, Jenny Flügge, Florian Ackermann und Team von Frankfurt Lab, Ida Daniel und das IX ProsoziTé Kollektiv, Natalia Shcherbina, Olena Bronnikova und andere Mitglieder:innen der Weben Gruppe, Melika Moazeni, Fabian Schäfer und Mania Kollectiv, Halyna Oblonina, Polina Oblonina, Tetiana Saienko 

Gefördert von Kulturamt Frankfurt, Gesellschaft Freunde internationales Theater Frankfurt. Unterstützt von der Hessischen Theaterakademie mit der Postgraduiertenförderung.