Open Studios
Das Open Studio des ID_Tanzhaus Residenzprogramms 2026 findet am Samstag, dem 12. September um 17 Uhr im Frankfurt LAB (Schmidtstraße 12, 60326 Frankfurt) statt. Drei Projekte geben Einblicke in ihre aktuellen Arbeitsprozesse und Recherchen.
Die Künstler*innen haben im August und September insgesamt drei Wochen Zeit, um an ihren Projekten zu arbeiten. Am Ende des Residenzzeitraums gibt das „Open Studio“ die Gelegenheit, die drei Projekte und die Künstler*innen kennenzulernen durch Einblicke in aktuelle Arbeitsstände, Durchläufe einer Produktion oder szenische Experimente.
Die Residenzen finden im August/September 2026 im Z – Zentrum für Proben und Forschung statt.
Das Open Studio ist eine Relaxed Performance: Kommen und Gehen ist jederzeit möglich. Es wird eine Kinderbetreuung geben.
Der Eintritt ist frei.
Alle öffentlichen Räume des Frankfurt LAB sind ebenerdig oder über kleine Rampen zugänglich. Das Haus verfügt über eine rollstuhlgängige Toilette.
Platzreservierung möglich – einfach hier anmelden
Ausgewählte Projekte
„Gatherings of consolation” von Santiago Mariño zeigt Ergebnisse einer ersten Forschungsphase für ein Projekt, das südamerikanische Lyrik von Piedad Bonnett und María Mercedes Carranza mit verkörperten Tanzerinnerungen der südamerikanischen Diaspora in Deutschland verknüpft. Beide Kunstformen bereichern sich dabei gegenseitig: Bewegung, Stimme, Bühnenbild und Interaktion mit dem Publikum treten in einen Dialog miteinander. Das Publikum ist eingeladen, gemeinsam zu sitzen, zu lesen und sich zu bewegen – in einer Übung, die eine Brücke zwischen sozialen und künstlerischen Ausdrucksformen schlägt.
Santiago Mariño ist ein kolumbianischer zeitgenössischer Tanzkünstler, der Performance, Tanz, Lehre, Choreografie und Produktion miteinander verbindet. Er hat einen Master-Abschluss in Choreografie und Performance vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie einen Bachelor-Abschluss in Darstellender Kunst mit Schwerpunkt Tanz von der Universidad Distrital de Bogotá in Kolumbien. Seit 2014 verfolgt er parallel eine Karriere als Tänzer und Pädagoge bei verschiedenen Ensembles und Choreograf*innen in Kolumbien, Frankreich und Deutschland. Er war ausgiebig in Südamerika und Europa auf Tournee, trat bei Tanzfestivals auf, n, u.a. beim Biarritz Dance Festival (FR), Dance Days Chania (GR), das PUF International Theater Festival (HR), ImpulsTanz Wien und der ATLAS Performing Arts Market auf den Kanarischen Inseln. Sein choreografisches Schaffen verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, bei dem verschiedene performative Sprachen mit anderen künstlerischen Disziplinen verschmelzen und der tanzende Körper aus einer intersektionalen, queeren Latinx-Diaspora-Perspektive im Mittelpunkt steht. Er erforscht die Möglichkeiten des ästhetischen Ausdrucks und der partizipativen Gemeinschaft, die darstellende Kunst hervorrufen kann, und untersucht dabei die Potenziale des Tanzes sowohl als künstlerische als auch als soziale Praxis. Seine eigenen Arbeiten in Kolumbien und Deutschland wurden von Institutionen wie dem Künstler*innenhaus Mousonturm koproduziert.
Hanna Launikovichs „she-zoo/schizo/ШIЗА“ untersucht, was mit dem Körper geschieht, wenn Gewalt vorstellbar wird. Ausgehend von Berichten und Erfahrungen belarussischer politischer Gefangener stellt das Stück die Frage: Wie überlebt der weibliche Körper, wenn der Raum, in dem er gefangen gehalten wird, ihn leugnet? Wie lassen sich die Erfahrungen der Gefangenschaft in Bewegung übersetzen? Eine choreografische und akustische Auseinandersetzung mit den Körpern von Inhaftierten und derer, die befürchten, selbst in Gefangenschaft zu geraten.
Hanna Launikovich ist eine Performance- und Klangkünstlerin belarussischer Herkunft. Sie lebt in Frankfurt am Main und hat einen Master-Abschluss in Choreographie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit 2018 beschäftigt sich Hanna Launikovich mit interdisziplinären dokumentarischen Praktiken. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Klang, Performance und dem nicht Einzuordnenden. Sie nimmt Themen wie Trauma, Nostalgie und Isolation in den Fokus und erkundet diese mithilfe immersiver Klangumgebungen, Feldaufnahmen, vokaler Improvisationen, Lo-fi-Texturen und Performance-Partituren. Für sie ist Sound nicht bloß etwas Begleitendes: An der Schnittstelle zwischen Komposition und Improvisation sowie zwischen Archiv und Unmittelbarkeit kristallisieren sich in Hanna Launikovichs Praxis die Kernfragen ihrer Arbeit heraus – wie Sound Erinnerung performt und wie Erinnerung durch Sound performt wird. Seit 2023 komponiert sie für Theaterproduktionen und performt in ihnen, sie integriert Sound in ihre eigenen Performances und multidisziplinären Kunstprojekte. Ihre Arbeiten wurden in Deutschland, Italien, Dänemark, der Schweiz, Polen und Estland präsentiert.
„Trickster-Rauschen“ von Ida Daniel und Todor Stoyanov ist eine choreografische Recherche darüber, was geschieht, wenn eine digitale Strategie, die ausbeuterische KI-Praktiken sabotiert, den Raum betritt. Selbstgebaute Klangmaschinen, alltägliche Ausdrücke und die Stimme werden zum Material eines Vorgehens, bei dem es ebenso sehr um das Zuhören und die Bewegung geht wie um Unsichtbarkeit und Widerstand. Ein Performance-Vortrag, der die ersten Ergebnisse eines fortlaufenden Projekts präsentiert.
Ida Daniel arbeitet im Feld von Choreografie und Performance und wechselt dabei zwischen Performerin, Dramaturgin, Autorin und Kuratorin. Das erlaubt ihr, fortlaufend die Arbeitsbedingungen und die Weisen des Anders-Zusammen-Seins als Voraussetzung des Kunstwerks zu erkunden und die Erfahrungen aller Beteiligten miteinander zu verweben. Geprägt von intersektionalem Feminismus und kritischem Posthumanismus umfasst ihre jüngste Arbeit das Co-Hosting am Imaginative Choreographic Centre (2022–fortlaufend), die Co-künstlerische Leitung von Frankfurts Festival der freien Szene Implantieren (2023–24), die durationale Performance Unlived Lives. The Reenactment (2025 / Austin TX, Frankfurt LAB, TNT Marburg) und G/Hosting (2025 / La Caldera, Barcelona; Toplocentrala, Sofia). Ida Daniel ist Absolventin des MA Choreografie und Performance an der JLU Gießen. Sie ist Mitglied von LaProf und ID_Frankfurt und war Jurymitglied des Impulse Festivals 2025 und 2026.
Todor Stoyanov ist ein freiberuflicher Künstler und Experte für neue Medien, der sich auf innovative und experimentelle Aspekte von Theater und Musik spezialisiert hat. Als technischer Künstler nutzt er zukunftsorientierte Technologien wie Game Engines, VR, AR, XR und KI, um Projekte zu entwickeln, die computerbasierte Inhalte mit Live-Aufführungen verbinden. Sowohl allein als auch im Team arbeitet er in verschiedenen Bereichen wie Performance, Theater, Installationen, experimentellen Workshops, Konzerten und Ausstellungen. Seit seinem Umzug nach Deutschland im Jahr 2015 arbeitet er an künstlerischen Projekten zwischen Frankfurt und Berlin, darunter Kooperationen mit Institutionen wie Mousonturm Frankfurt und Sophiensaele Berlin. Zu seinen vielfältigen Projekten gehören Suspicious Lifeforms; Kitchen-ing Questions und Unlived Lives. The Reenactment mit Ida Daniel; wabe[]ost und Muskeln mit drei Frauen von Caroline Creutzburg.