Residenzen

Residenzkünstler*innen 2022

Das ID_Tanzhaus Frankfurt Rhein-Main vergibt zwischen Mai und November 2022 insgesamt sieben Residenzen an regionale Tanz- und Performanceprojekte. Die sehr unterschiedlichen künstlerischen Konzepte beschäftigen sich mit zeitgenössischen Themen und zielen darauf ab, Gewohnheiten zu hinterfragen, Barrieren abzubauen und Traditionen zu verändern. Zum Ende der Residenzen werden die Ergebnisse als Digital Open Studio online präsentiert.

 

Shivā Amiri: Trans in Trance

Eine intime Tanzeinladung zum Verbinden. Inspiriert von Sufi-Tänzen kreiert Shivā Amiri einen Moment, indem Performer*in und Zuschauer*in gemeinsam in Trance fallen. Die Zuschauer*innen werden durch Tanz, Drag, Trance & Storytelling eingeladen, sich tänzerisch zu verbinden und ihr anderes Ich zu entdecken. Ein Ich, das Diskriminierung, Rassismus & Flucht, nicht mehr nur als das Problem von Anderen sieht, sondern die eigene Beteiligung darin erkennt.

Carlos Díaz: The Vallejo Readings

Eine neue Art, Poesie zu erleben. Tanz schafft im Dialog ein physisches Bild der Verse des peruanischen Dichters Cesar Vallejo. Das Publikum soll durch die beiden lyrischen Sprachen gleichzeitig erreicht und durch eigenes Vortragen und Bewegung in den kreativen Prozess einbezogen werden. Anhand der Texte von Vallejo, der selbst ein Künstler mit Migrationserfahrung ist, sucht Díaz Empathie für die Erfahrungen von Migranten zu schaffen.

Michelle DiMeo: Experiencing Kinesthetic Empathy: Dance and the Visually Impaired

Experiencing Kinesthetic Empathy befasst sich mit Tanz und Menschen mit Sehbehinderung. Die künstlerische Untersuchung konzentriert sich auf die Entwicklung von Möglichkeiten, Menschen mit erheblichen Sehbehinderungen umfassend in Tanz- und somatische Bewegungspraktiken einzubeziehen, und auf die Frage, was durch diesen Prozess über kinästhetische empathische Empfindungen gelernt werden kann. 

islam Elnebishy: Matter of Perspective

Das Projekt spielt mit den Bildern, die mit dem tanzenden Körper assoziiert werden, und damit, welche Ideen und Bilder wir produzieren, wenn wir einen Körper auf der Bühne tanzen sehen. Und andersherum, wie können wir Choreographien aus bestimmten Bildern produzieren.

Das Konzept der Interpretation und Repräsentation ist in dieser Performance voll präsent und wird auf direkte und indirekte Weise behandelt, wobei immer ein Wechselspiel zwischen den Darstellern und der Vorstellungskraft des Publikums entsteht.

Ida Kaufmann, Abril Lukac, Joanna Gruberska: Utopian Apathy (Arbeitstitel)

Das überwältigende Gefühl von Apathie. Was kann uns helfen, aus diesem Gefühl herauszukommen? Kann Kämpfen ein Weg sein, uns wieder mit unserem Kampfgeist, mit unserer körperlichen und geistigen Stärke zu verbinden? Wir wollen verschiedene körperliche Erfahrungen wie Gefühle von Frustration, Ohnmacht und Hoffnung ausdrücken. Ein Hin und Her zwischen Theorie sowie emotionaler und körperlicher Forschung. Ein Tanz um sich körperlich mit dem Publikum zu verbinden, ein Tanz als Teil des Kampfes, als Weg, um Hoffnung und Kraft zu gewinnen.

Mara Kirchberg: Swallowing a Barbed Wire - How do we dance with monsters?

SWALLOWING A BARBED WIRE ist eine Erforschung der Materialität von Angst, die vom Bauch ausgeht. Sie bildet eine Gegenbewegung zum schwer fassbaren Moment, indem sie konkrete körperliche Stressreaktionen aufgreift. Kurzatmigkeit, Muskelverspannungen, Übelkeit, Schwindel, Ohrensausen, Taubheit oder Zittern werden mittels Bewegung, Stimme sowie Noise Sound erforscht und transformiert. Die Praxis der (De-)Monstration von Angst bringt eine monströse Materie als Akt des Widerstands und der Ermächtigung hervor. 

Clara Reiner,  René Alejandro Huarí Mateus, Jacob Bussmann und Frédéric De Carlo: Local Dancing

In LOCAL DANCING imaginieren und choreographieren wir gemeinschaftliche Tänze, die durch die Zeit gereist sind. Sie werden zum Genuss getanzt und wir hoffen, sie während des Implantieren Festivals mit Nachbar:innen zu praktizieren. 


Zusätzlich erhält Künstler*in, Performer*in und Aktivist*in Antonina Baever eine Residenz, die das ID_Tanzhaus Frankfurt Rhein-Main in Kooperation mit der Non-Profit Organisation Artists at Risk vergibt.

Auswahlverfahren

Das ID_Tanzhaus Frankfurt Rhein-Main ist bestrebt, weniger voreingenommene des Peer-Auswahlverfahrens zu finden. Im Jahr 2022 wurden die Residenzkünstler*innen erneut von einer vierköpfigen Jury in einem anonymisierten Bewerbungsverfahren ausgewählt.

Im Jahr 2022 bestand die Jury aus:

  • Olivia Hyunsin Kim, freie Choreografin und Performerin
  • Quindell Orton, freie Choreografin und Tänzerin
  • Melanie Suchy, Tanzjournalistin
  • Takao Baba, freier Choreograf und Tänzer

Fotocredits:

  • Abril Lukac: Hanna Lukac
  • Carlos Díaz: FrameChaser Photography
  • Clara Reiner, René Alejandro Huarí Mateus, Jacob Bussmann, Frédéric De Carlo: René Alejandro Huari Mateus
  • Ida Kaufmann: Maciej Rusinek
  • islam Elnebishy: Ahmed Alsaaty
  • Joanna Grubowska: Hansjörn Rindsberg
  • Mara Kirchberg: Gisèle Gonon
  • Michelle DiMeo: Hansjörn Rindsberg
  • Shivā Amiri: Shivā Amiri

Das ID_Tanzhaus Frankfurt Rhein-Main des ID_Frankfurt e.V. lädt regionale Projektinitiator*innen, die mit Tanz und Choreografie arbeiten und experimentieren, ein, sich für Residenzen im Studio Die Druckerei in Frankfurt am Main-Niederrad zu bewerben. Dies wird ermöglicht durch eine Kooperation mit Hennermanns Horde. Freiberuflich in der Region Frankfurt Rhein-Main tätige Bewerber*innen werden bevorzugt. Die Bewerbungsphase beginnt am 7. März und endet am 4. April 2022.

Eine Residency bietet Folgendes:

  1. Zugang zum 160 m2 großen Studio in der „Druckerei“
  2. Produktions-, Presse- und dramaturgische Unterstützung 
  3. Möglichkeiten zur Vernetzung
  4. Fotodokumentation
  5. Unterstützung bei digitalem Streaming, Beleuchtung und Ton 
  6. Unterstützung bei digitales Open Studio Organisation
  7. Honorar
  8. Kosten für den ÖPNV

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Das Residency-Programm ist eine Kernstrategie des ID_Tanzhaus Frankfurt Rhein-Main, um den verschiedenen Akteur*innen der lokalen freien Szene Möglichkeiten und Ressourcen zu eröffnen.

Im Rahmen eines Open-Call-Verfahrens sind regionale Projektinitiator*innen, die mit Tanz und Performance experimentieren, eingeladen, sich zu bewerben - egal in welcher Phase ihrer Karriere sie sich befinden.

  • Wir legen Wert auf eine inklusive Anwendung des Begriffs "Tanz". Man muss kein*e akademisch ausgebildete*r Tänzer*in sein, um einen wertvollen Beitrag im Bereich Tanz und Choreografie zu leisten. Natürlich respektieren wir jedoch auch die Tänzer*innen mit jahrelanger Ausbildung und unterstützen innovative Menschen, die sich mit ihrer Arbeit innerhalb traditionellerer Formen bewegen. 
  • Besonders willkommen sind uns aufstrebende Künstler*innen, die neu in der unabhängigen Produktion innerhalb öffentlicher Förderstrukturen sind.

Für Arbeit und Proben stellt das ID_Tanzhaus Frankfurt Rhein-Main den Kunstschaffenden die räumliche und technische Infrastruktur zur Verfügung, um ihr Projekt in speziell für Tanz geeigneten Räumen zu realisieren. Die Residenz beinhaltet professionelle Unterstützung auf administrativer, technischer und künstlerischer Ebene, je nach Wunsch des jeweiligen kreativen Teams.

Details und Bilder zu den Residenzen 2021 sind unten verlinkt.

Ein Raum mit weißen Wänden, einem Fenster, drei aufgeklebten Teppichen auf dem dunklen Boden. Durch die geöffnete Tür sieht man zwei Personen.

Foto aus der Forschungsphase der virtuellen Performance ,,Kitchen-Ing Questions", von I. Daniel, Z. Užbinec, T. Stoyanov

Ausgewählte Künstler/Initiator*innen der Residencies 2021

Hier klicken für die vollständigen Projektbeschreibungen

Ana Clara Montenegro, Camilla Fiumara, Diana De Fex, Judith Nagel mit der Plattform re-dance, Laura Hrgota-Jannene, Maria Kobzeva, Saakib Sait, Vlasova/Pawlica